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50 Jahre BRZ

Im Gespräch mit Max Böhler und Prof. Dr. Oepen

Von der ersten Bau-IT zur Digitalisierung im Bauwesen ist es ein weiter Schritt. Als BRZ 1968 gegründet wurde, gab es nur wenige tausend Computer in Deutschland. Heute hat statistisch gesehen, nahezu jeder Einwohner Deutschlands ein Smartphone und damit einen leistungsfähigen Computer stets bei sich. Welche Schritte sich in den letzten 50 Jahre in der IT im Bauwesen vollzogen haben, darüber sprach Computer Spezial mit Max Böhler und Prof. Dr. Ralf-Peter Oepen, die das Unternehmen seit dem 1. Januar 2018 leiten.

Zum 1. Januar 2018 haben Prof. Dr. Ralf-Peter Oepen (links) und Max Böhler die Geschäftsführung der BRZ Deutschland GmbH übernommen.

Zum 1. Januar 2018 haben Prof. Dr. Ralf-Peter Oepen (links) und Max Böhler die Geschäftsführung der BRZ Deutschland GmbH übernommen.
Foto: BRZ

Computer Spezial: Herr Böhler, Herr Prof. Dr. Oepen, Sie haben Anfang des Jahres die Geschäftsführung der BRZ Deutschland GmbH übernommen. Bitte stellen Sie sich kurz vor.

Max Böhler: Ich bin Ingenieur, Architekt und Betriebswirt und verfüge über langjährige praktische Erfahrung im Bauprojektmanagement. In der Bilfinger Gruppe habe ich seit 2002 mehrere Stationen durchlaufen, u.a. im europäischen Ausland und verantwortete zuletzt die Akquisition und den Vertrieb schlüsselfertiger Bauvorhaben im Büro- und Verwaltungsbau, für Industrie- und Gewerbekunden sowie für öffentliche Ausschreibungen.

Ralf-Peter Oepen: Ich bin promovierter Diplom-Kaufmann und Honorar-Professor an der TH Köln. Ich war über 25 Jahre im BWI-Bau beschäftigt, davon die letzten zwölf Jahre als geschäftsführender Institutsleiter. In dieser Zeit habe ich mich mit verschiedenen operativen und strategischen Aufgabenstellungen speziell in der mittelständischen Bauwirtschaft beschäftigt.

Computer Spezial: BRZ entstand vor 50 Jahren als Ausgründung der EDV-Abteilung von Tauber Bau in Nürnberg. Wie wichtig sind Ihnen die Wurzeln des Unternehmens?

Ralf-Peter Oepen: Die Wurzeln unseres Unternehmens sind für uns sehr wichtig, da wir uns trotz der Managementführung der Philosophie eines Familienunternehmens verpflichtet fühlen. Was aber mindestens genauso wichtig ist, ist Folgendes: BRZ, besser gesagt die BRZ-Gruppe, ist ja nicht nur ein Bausoftwareunternehmen im klassischen Sinn. Unsere Geschäftsbereiche beschränken sich eben nicht nur auf die Vermarktung und Einführung von Branchenlösungen in Bauunternehmen. Nein, einer unserer Geschäftsbereiche erbringt Dienstleitungen für Bauunternehmen.

So rechnen wir beginnend mit der Lohnstundenerfassung im Vollservice Lohn aktuell ca. 7.000 Unternehmen mit 65.000 Arbeitsnehmern ab. Hinzu kommen weitere ca. 2.300 Kunden mit wiederum 65.000 Arbeitnehmern im sog. Teilservice („BRZ Lohn-Connect“).

Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden auch einen Service im Bereich Rechnungswesen, wobei der Schwerpunkt hier in der baubetrieblichen Projekt- und Unternehmenssteuerung liegt. In diesem Service verarbeiten 20 Mitarbeiter 160.000 Rechnungsbelege im Jahr

Sie sehen, dass wir hier auf festen Wurzeln stehen, um die Metapher weiter zu gebrauchen.

Computer Spezial: Die Baubranche erlebt derzeit eine hohe Auslastung. Weshalb sollte gerade heute in neue Software investiert werden? Wie schnell rechnen sich neue Lösungen?

Max Böhler: Wir befinden uns in einer Zeit eines enormen Wandels. Früher sprach man von Kurzfristigkeit (ein Jahr), Mittelfristig (zwei bis fünf Jahre) und Langfristigkeit (über fünf Jahre). Diese Fristen muss man heute mindestens halbieren, denn der digitale Wandel führt zu immer schnelleren Entwicklungs- und Veränderungszyklen. Daher ist es auf der einen Seite Segen, dass diese Veränderung in eine Zeit einer sehr guten Baukonjunktur fällt. Es ist aber auch (zumindest ein wenig) Fluch, da wegen der hohen Aus- und Belastung die Zeit und die Kapazitäten für das notwendige Veränderungsmanagement oft fehlen.

Dennoch ist es ratsam, in Zeiten einer guten Geschäftsentwicklung in die eigene Zukunft zu investieren. Wer hier den Anschluss verliert, bleibt auf der Strecke. Wir sind fest davon überzeugt, dass man sich der Digitalisierung nicht verschließen kann, denn sie ist mehr als eine reine Innovation, sie verändert und optimiert die Geschäftsprozesse, wie es bereits in vielen Branchen gang und gebe ist.

Deswegen ist BIM auch nicht zuvorderst Software, es ist eine Methode im Umgang miteinander, im Umgang der an der Wertschöpfungskette des Bauens beteiligten Partner. Gleiches gilt z.B. für viele andere Digitalisierungsprozesse, da eben nicht nur manuelle Prozesse mit der IT abgebildet werden (dies war schon immer Aufgabe der IT). Digitalisierung bedeutet auch immer eine Veränderung des Prozesses als solches und dann dessen Abbildung mit der IT. Hier in innovative Softwarelösungen und IT-Dienstleistungen zu investieren, hilft den digitalen Wandel im Unternehmen zu vollziehen. Wir als BRZ stehen dafür, Unternehmen bei diesem Wandel zu begleiten. Dies getreu unserem Slogan „Organisation und Bauinformatik“. Deswegen entwickeln wir unser Lösungsportfolio weiter und arbeiten mit strategischen Partnern zur Ergänzung unseres Angebotes zusammen.

Computer Spezial: Bis zur durchgehenden Digitalisierung im Bauwesen stehen noch einige Schritte aus. In welcher Richtung orientiert sich BRZ künftig? Wo sehen Sie wichtige Zukunftsfelder?

Ralf-Peter Oepen: Wohin genau die Digitalisierung führen wird, weiß niemand. Eines ist aber klar: Die Welt des Bauens im Jahre 2025 sieht anders aus, als die Welt des Bauens von heute. BRZ kann dabei helfen, viele Prozesse digital abzubilden. Es ist davon auszugehen, dass manuelle Prozesse immer mehr an Bedeutung verlieren. So werden wir uns weiterhin auf die Kernkompetenz unseres Unternehmens konzentrieren, d. h. betriebswirtschaftlich (wenn wir hier von betriebswirtschaftlichen Prozessen sprechen, verstehen wir dies im Sinne der Allgemeinen Betriebswirtschaft und eben nicht nur konzentriert auf das Rechnungswesen) geprägte Prozesse in einer integrierten ERP-Lösung abzubilden. D.h. aber auch die ERP-Lösung so aufzustellen, dass wir mit vor- und nachgelagerten Teilsystemen zusammenarbeiten können, um die daraus resultierenden Daten in unserem System weiterzuverarbeiten bzw. für nachgelagerte Systeme zur Verfügung zu stellen.

Max Böhler: Wenn man davon ausgeht, dass die Digitalisierung immer stärker um sich greift, dann bedeutet dies, dass die Teilsysteme die die Digitalisierungsprozesse abbilden immer mehr miteinander verzahnt werden müssen. Hier wollen und werden wir ein gehöriges Wort mitsprechen, da wir davon ausgehen, dass das ERP-System das führende System bleiben muss.

Computer Spezial: Vielen Dank für das Interview.

Computer Spezial