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50 Jahre GAEB

Mehr als Standardleistungstexte und Datenaustausch

Im September 2016 feiert der GAEB sein 50-jähriges Bestehen. Obwohl der Begriff „GAEB“ mittlerweile fester Bestandteil des Baualltags ist, weiß kaum jemand, was sich hinter der Abkürzung verbirgt. So steht GAEB (Gemeinsamer Ausschuss Elektronik im Bauwesen) zum einen für die gesamte Organisation und zum anderen für die Erstellung von Standardleistungstexten und mit der Begrifflichkeit „Datenaustausch nach GAEB“. Wie es vor 50 Jahren zur Gründung des GAEB gekommen ist und warum, zeigt ein kurzer Rückblick.

 

Ziel des GAEB ist es, eine effiziente Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung von Bauleistungen zu ermöglichen, um mittels IT die Effizienz im Bauwesen zu fördern. So zählen u.a. die Erstellung und Überarbeitung des Standardleistungsbuches Bau, von Regelwerken für den elektronischen Datenaustausch und den Aufbau des Leistungsverzeichnisses sowie von Verfahrensbeschreibungen für die elektronische Mengen- und Bauabrechnung zu den Aufgaben. Und immer mehr Beteiligten möchten beliebige Datenformate wie Leistungsverzeichnisse auf Papier, PDF-, „Word“-, „Excel“- oder sonstige Dateien ins GAEB-Format konvertieren, um diese zwischen Bauherr, Architekt, Fachplaner und ausführenden Unternehmen auszutauschen.

Die ersten Textformulierungen als Basis der Standardleistungstexte gehen im Wesentlichen auf das Bauleistungsbuch zurück, das in den 1930er Jahren angeregt wurde. Die VOB wurde allerdings schon 1926 eingeführt. Damals wurden die Bauleistungsbücher entwickelt, da man zu den Vertragsbedingungen Bausteine benötigte, die dann als Blocktexte zur Nutzung vorlagen. In diese Blocktexte trugen die Ausschreibenden die Massen ein und strichen die nicht benötigten Positionen durch. Danach mussten Sekretärinnen die Blocktexte mit den Massen abschreiben, diese wurde vervielfältigt und an die Bieter verschickt. Ein erheblicher Arbeitsumfang, wenn man bedenkt, dass dann noch die Preisspiegel manuell zu erstellen waren.

 

EDV brachte Fortschritt

Der Fortschritt kam mit Einzug der EDV in den 1960erJahren. Die englischen Quantity Surveyor Monk und Duncton zerlegten die Blocktexte in Textfragmente und versahen diese mit Codeziffern. Die Codeziffer wurden von den Ausschreibenden in karierte Blätter eingetragen und daraufhin die Ziffern in Lochkarten. Denn zu Beginn der EDV konnten viele Computersysteme die Daten ausschließlich über Lochkarten zugeführt werden. Diese Vorgehensweise verwendete man auch zur Speicherung von Bestandsdaten, bis schließlich die Speicherung auf magnetischen Datenträgern günstiger wurde. Diese – heute nicht mehr vorstellbare – Vorgehensweise vereinfachte und beschleunigte jedoch damals den Ablauf erheblich.

Auf Grundlage dieser Vorgehensweise wurde z.B. der Rohbau der Universität Bochum ausgeschrieben. Doch schon bald entwickelte man das System weiter, da die Texte für den Ausbau fehlten. Ist doch bei Projekten dieser Größenordnung eine nicht unerhebliche Anzahl an Gewerken beteiligt. Deshalb setzten sich die Ausschreibenden mit Vertretern einzelner Gewerke, wie z.B. der Maler, Tischler, Putzer und Estrichleger, zusammen. Die Gruppen besaßen schon einzelne Leistungsverzeichnisse, die allerdings größtenteils nicht kompatibel mit der VOB waren. Doch nahm man die Inhalte auf, um die Leistungen einheitlich und marktneutral ausschreiben zu können. Die Vorstellungen der Ausführenden und die Textfragmente wurden daraufhin zusammengeführt und bildeten dann die Grundlage der Textfindung für den GAEB.

 

Einheitliche Sprache erschaffen

Im Frühjahr 1966 kamen Vertreter des Landes NRW, Vertreter von Ingenieur- und Architekturbüros, der Neue Heimat und der Bauaktiengesellschaften in Bonn im Schloss Deichmannsaue zur GAEB-Gründungsversammlung zusammen. Die Beteiligten waren schnell von den Vorteilen einer einheitlichen Sprache zu überzeugen. Für die Architekten und Ingenieure hatten die Textfragmente, mit denen die Leistungen zu beschreiben waren, ebenfalls Vorteile und die ausführenden Unternehmen benötigten verständliche Texte, um die Preise exakt kalkulieren zu können.

Hatte zunächst das Bau- und Finanzministerium in NRW die Obhut über den GAEB, wurde jedoch schon bald die Federführung an den Bund übergeben. Für die EDV war das Wohnungsbauunternehmen des Deutschen Gewerkschaftsbundes, die „Neue Heimat“, zuständig. Diese bediente sich auf Großrechnern laufender Batch-Software. Die auf Lochkarten übertragenen Leistungsverzeichnisse mussten zwecks Ausdrucks in das Rechenzentrum gebracht werden. Nach dem Ausdruck erfolgte das Korrekturlesen, Einarbeiten der Änderungen und ein weiterer Ausdruck: Ein ständiges Hin und Her zwischen Rechenzentrum und Baustelle respektive Büro.

In den 1980er Jahren kamen die Personal Computer auf den Markt und auch entsprechende „AVA“-Software für PCs. Zum ersten Mal waren die Bauexperten nicht mehr abhängig von Großrechnern und konnten die Software in ihren Büros nutzen. Allerdings kosteten die ersten PCs noch fünfstellige DM-Beträge.

Parallel zu den Standardleistungstexten entstanden die Regelungen für die elektronische Bauabrechnung (REB), die bei verschiedenen Großprojekten Anwendung fanden. Doch der Aufwand war enorm. Es existierten zwar viele verschiedene Rechenformeln, aber zu 98 % wählten die Anwender damals die freie Eingabe, die „Formel 91“.

 

Gemeinsame Sprache am Bau

Vorangetrieben wurde der GAEB-Datenaustausch von der Architektenkammer, der Neue Heimat und von Vertretern der Bauwirtschaft wie Strabag, Hochtief, Holzmann, Walter Bau, Züblin und Co. Obwohl die Aufgaben und Ziele von Auftraggebern und Auftragnehmern unterschiedlich sind, gab es keinerlei Unstimmigkeiten zwischen den beiden Gruppen, hatten doch alle dasselbe Bestreben: Die Erzeugung einer „Gemeinsame Sprache am Bau“, um sich miteinander verständigen zu können.

Die ersten GAEB-Dateien zum Austausch von Leistungsverzeichnissen (LV) existieren seit 1985. Als Datenträger benutzte man damals Magnetbänder und die großen 5,25-Zoll-Disketten. Die Leistungsverzeichnisse wurden dann beim Bieter ausgedruckt, bepreist und die ausgefüllten LVs im Papierformat zurückgeschickt. Und erst seit ca. zehn Jahren übertragen Bieter – und das auch noch nicht alle – die bepreisten LVs zum Ausschreibenden elektronisch. Was nämlich bei Bauunternehmen mittlerweile üblich ist, ist bei den im Ausbau tätigen Gewerken zum Teil noch nicht die Regel, da die Strukturen der Handwerksbetriebe anders sind als die der großen Bauunternehmen.

Heute gibt das DIN Deutsches Institut für Normung e.V. die Arbeitsergebnisse des GAEB (www.gaeb.de) heraus, die Voraussetzungen für die Ausschreibung, Vergabe und Abrechnung von Bauleistungen (AVA) sind. Die Geschäftsführung liegt im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR). Die Bausoftwarehäuser haben sich im Bundesverband Bausoftware e.V. (www.bvbs.de) zusammengeschlossen, der seit der Gründung 1993 das Ziel verfolgt, die Leistungsfähigkeit und Innovationskraft der Bauwirtschaft durch den Einsatz von Bausoftware zu stärken. Mittlerweile vertritt der Verband über 80 Unternehmen.

 

Dipl.-Ing. Wilhelm Veenhuis, geschäftsführender Gesellschafter der MWM Software & Beratung GmbH, Bonn, Leiter des Arbeitskreises Datenaustausch des Bundesverbandes Bausoftware e.V. und Mitglied des Vorstandes

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