Digitalisierung muss verstanden werden – Interview mit Thomas Eichinger
Thomas Eichinger ist seit Juli 2026 Geschäftsführer des BVBS. Im Interview spricht er über aktuelle Herausforderungen und Themen des Verbands.
COMPUTER SPEZIAL (CS): Sie haben in den ersten drei Monaten Ihrer Tätigkeit bereits mit vielen BVBS-Mitgliedsunternehmen gesprochen. Welche Themen bewegen die Unternehmen derzeit besonders?
Thomas Eichinger: Die Mitglieder im BVBS sind sehr unterschiedlich, so auch ihre Anforderungen und Themen. Vielen macht der Digitalisierungsstau auf kommunaler Ebene zu schaffen und sie suchen nach Möglichkeiten, diesen zu lösen. Für den BVBS ist es deshalb wichtig, den engen Austausch mit kommunaler Politik zu suchen und dort Unterstützung bei der Digitalisierung anzubieten.
CS: Worin liegen dort die besonderen Herausforderungen?
Thomas Eichinger ist seit 1. Juli 2026 neuer Geschäftsführer des BVBS.
Bild: Julian Leitenstorfer
Thomas Eichinger: Bauprojekte scheitern selten an fehlendem Know-how, sondern an zu langwierigen Prozessen und zu strengen Regularien. Die digitale Transformation kann dazu beitragen, schneller, wirtschaftlicher und nachhaltiger zu bauen, und somit Antworten auf die drängenden Fragen geben. Aber dazu müssen auch die Verwaltungsabläufe beschleunigt werden. Wir brauchen eine BIM-Pflicht, die Standards des Onlinezugangsgesetzes müssen flächendeckend umgesetzt und Kompetenzen in den Behörden aufgebaut werden. So können wir schneller bauen, ohne dabei Qualität einzubüßen. Zu meinen Aufgaben gehört dabei, die unterschiedlichen Perspektiven von Softwarewirtschaft, Politik und Verwaltung zusammenzubringen und gemeinsam tragfähige Lösungen voranzutreiben.
CS: Wie möchten Sie erreichen, dass die Anliegen der Softwareanbieter und IT-Dienstleister im Bauwesen bei Politik und Verwaltung stärker berücksichtigt werden?
Thomas Eichinger: Der große Nutzen der digitalen Transformation wird in Politik und Verwaltung noch nicht überall ausreichend wahrgenommen – deshalb müssen wir ihn konkret zeigen. Entscheidend ist, diese Themen dort einzubringen, wo politische und administrative Entscheidungen getroffen werden. Wir wollen daher stärker auch auf verschiedenen Ebenen der Politik Aufmerksamkeit schaffen und bewirken, dass die Anliegen der Bauwirtschaft erkannt und berücksichtigt werden. Würden die bereits vorhandenen ausgereiften digitalen Lösungen konsequent auf allen Ebenen genutzt, könnten die Investitionen in Infrastrukturprojekte in Deutschland erheblich effizienter eingesetzt werden.
CS: Welche aktuellen Themen haben für Sie Priorität?
Thomas Eichinger: Kaum ein Thema entwickelt sich derzeit so dynamisch wie künstliche Intelligenz. Hier gibt es einen hohen Erwartungsdruck von Auftraggebern, Projekte noch schneller, noch günstiger und mit hoher Qualität auszuführen. In dem Bereich sehen wir eine wichtige Aufgabe des BVBS, Orientierung zu geben und transparent zu machen, welche Möglichkeiten, aber auch welche Anforderungen mit dem Einsatz von KI verbunden sind.
Ein weiteres zentrales Thema sind gemeinsame Datenräume, sogenannte Common Data Environments (CDE). Gerade für die kommunale Baupraxis sind sie essenziell dafür, dass alle Baubeteiligten auf einer gemeinsamen Datengrundlage arbeiten können. Eng damit verbunden sind auch die Fragen der Datensouveränität und Datensicherheit.
Thomas Eichinger
Thomas Eichinger, geboren 1974, lebt in Schondorf am Ammersee und ist Kreisrat im Landkreis Landsberg am Lech sowie Bezirksrat im Bezirkstag von Oberbayern. Nach seinem Jurastudium arbeitete Thomas Eichinger 12 Jahre als Personalberater. Von 2014 bis 2026 war er Landrat des Landkreises Landsberg am Lech. Seit 1. Juli 2026 ist er Geschäftsführer des BVBS.
