BIM bietet reichlich Vorteile

Aber: Es sind noch viele Hausaufgaben zu erledigen!

Damit die digitale Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Bauwerken funk­tioniert, braucht es einen offenen und verlustfreien Datenaustausch. Wo? Am Anfang zwischen den Plattformen verschiedener Hersteller und Architekten – zwischen denen, die die kreativen Entwürfe liefern, und denen, die die Bauprodukte herstellen.

Damit Planer und Architekten auf alle Produkte der Bauproduktindustrie zugreifen können, müssen die Hersteller die Daten ihres Produktportfolios so übersetzen und aufbereiten, dass sie in den führenden CAD-­Programmen der Planungsbüros effizient genutzt werden können. Um die Bauproduktindustrie schneller für BIM fit zu machen, braucht es kostengünstige und effiziente Ansätze, die die Eintrittsbarriere senken. Aktuelle Softwarelösungen benötigen häufig eine aufwendige Übersetzungsleistung für jedes einzelne Bauteil. Dadurch entstehen unverhältnismäßig hohe Kosten für die Umstellung auf BIM und vor allem die spätere Pflege dieser Daten. Viele Unternehmen können diesen Arbeitsaufwand intern nicht abbilden, weil ihnen einerseits die Ressourcen und andererseits das Know-how für diese Prozesse fehlen.

Ein weiteres Problem: Diese Übersetzungsleistung setzt sauber gepflegte Produktdatenmanagementsysteme voraus, die nach Beobachtung von Die Werkbank auch im Jahr 2019 nur sehr selten vorliegen. Bauproduktproduzenten haben nur sehr widerwillig erste Schritte in Richtung Digitalisierung gemacht. Es mangelt an einer grundlegenden Datenstruktur in Unternehmen.

Häufig wird noch mit „Excel“ gearbeitet. Meist agieren nur die großen Player im Markt mit ERP-Systemen, wie etwa diversen SAP-Anwendungen, oder mit PIM-Systemen aus dem Hause Riversand, Contentserv etc.

Diese PIM-Systeme bieten Mehrwerte für die BIM-Nutzung. Die Industrie muss BIM als Chance begreifen, um die Versäumnisse der vergangenen Jahre im Bereich der Datenstrukturierung zügig aufzuarbeiten. Mit Ansätzen wie „BIM & More“ ist der Durchbruch in Sachen Effizienz gelungen. Innerhalb weniger Minuten ist es möglich, mehr als 1.000 BIM-Objekte aufzubereiten und mit wenigen Mausklicks über BIM-Plugins in den CAD-­Syste­men sowie BIM-Downloadportalen zu veröffentlichen.

Aufbau einer nachhaltigen Datenstruktur notwendig

Unternehmen, die bisher kaum einen Schritt auf das digitale Parkett gewagt haben, erhalten durch BIM die Chance, endlich eine grundlegende Daten­struk­tur aufzubauen. Dieser Digitalisierungsschritt kommt allen Abteilungen zugute und lässt Prozesse erstmals valide optimieren. Unternehmen, die sich nur halbherzig auf die Digitalisierung eingelassen haben und deshalb in den verschiedenen Abteilungen mit verschiedenen Systemen arbeiten, können ihre Silo-Landschaft auflösen, indem sie fortan alle relevanten Daten zwischen den vielen Systemen synchronisieren.

BIM verlangt neues Mindset

Das Bauwesen in Deutschland ist traditionell Abgrenzung gewöhnt. Erst Ausschreibung. Dann Planung. Dann wieder Ausschreibung. Dann Ausführung. Jeder übernimmt seinen eigenen Part. Das steht fundamental gegen BIM: Denn hier ist die Erfahrung aus Ausführung und Betrieb notwendig, um bereits in der Planung die richtigen Massen, Materialien und Zeiten zu berücksichtigen.

Die Planung beginnt mit der Verwendung konkreter Bauprodukte, Lösungen und Systemvarianten. Zwar verlängert sich die Vorbereitungszeit unter Umständen etwas, weil viele Entscheidungen noch in der Vorplanung getroffen werden müssen. Wenn der eigentliche Planungsprozess dann beginnt, verläuft dieser umso strukturierter, konkreter, reichhaltiger und vor allem schneller.

 

Lösungsansätze: BIM-Downloadportale versus BIM-Infrastruktur

Seit vor einigen Jahren erste Versuche unternommen wurden, Bauprodukte als BIM-Objekte zur Verfügung zu stellen, hat sich viel getan. Mittlerweile können Planer und Architekten auf zahlreiche Bauprodukte sowie System- und Lösungsvarianten in der erforderlichen Detailtiefe (Level of Detail [LoD]) zugreifen und in ihrer Projektplanung einsetzen.

Das Problem ist ein anderes: Es gibt zwar viele Downloadportale für BIM-Objekte, die teils auch deren Programmierung vornehmen. Sie lösen allerdings nicht die Herausforderung auf Industrieseite, sie schaffen neue.

Herkömmliche Downloadportale erfüllen vor allem verlässlich Marketingziele. Deshalb ist es aus Perspektive der Industrie durchaus sinnvoll, eigene BIM-Objekte dort anzubieten. Sie stehen dort zum Herunterladen für gängige BIM-Software zur Verfügung.

Die Portale bieten aber kaum mehr als eine gute Sichtbarkeit im Netz. Wenn Planer oder Architekten heute BIM-Objekte dort herunterladen und in CAD mit einem bestimmten Wandaufbau planen, können sie nicht mit Gewissheit sagen, ob die Daten für alle Leistungsphasen und Anforderungen gerüstet sind und ob die Produktlösung auf Industrieseite überhaupt noch in dieser Form geführt wird oder längst überholt ist. Das Thema Datenaktualität und Vielfalt bleibt außen vor.

Single Sourcing gegen Strukturprobleme

Einerseits ist die Pflege von BIM-Daten bei Industriekunden mit mehreren tausend bis hunderttausend Lösungsvarianten ein enormer Kraftakt, der kaum bewerkstelligt werden kann. Es ergeben sich ständig Änderungen im Produktportfolio, die unmittelbar in ­allen BIM-Downloadportalen entsprechend aktualisiert werden müssten. Andererseits prüfen die klassischen Downloadportale die BIM-Objekte nicht, die ihnen die Industrie liefert. Damit besteht immer das Risiko für Planer, dass die Qualität der BIM-Daten den jeweiligen Planungsanforderungen nicht gerecht werden kann.

Während die Bauindustrie aktuell ihre BIM-Daten aus der Hand gibt und der Pflege dieser Daten nicht mehr hinterherkommt, haben Lösungen wie „BIM & More“ eine Infrastruktur entwickelt, bei der die Güte der BIM-Daten garantiert und zweitens immer Aktualität gewährleistet wird. Beides sind wichtige Kriterien, wenn es um eine reibungslose Planung und Durchführung von Bauprojekten geht.

 

Datenaktualität durch Verknüpfung mit Master-Data-Management

Die Funktionsweise ist einfach wie logisch. Der Industriekunde verknüpft sein Master-Data-Management (in der Regel sein PIM-System), das ohnehin immer aktuell ist und das Produktportfolio widerspiegelt, mit der BIM-­Infrastruktur „BIM & More“. Dadurch schlägt er gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Er schafft eine dauerhafte Verbindung zwischen seinem PIM-­System und all seinen künftigen BIM-­
Exporten. Nach einer kurzen Onboarding-Phase, in der alle PIM-Daten in BIM-Daten aufbereitet und gegebenenfalls mit fehlenden Attributen angereichert werden, kann der Hersteller nun seine BIM-Objekte selbst mit dem integrierten BIM-Publisher publizieren. Er erreicht dadurch nicht nur die klassischen BIM-Downloadportale, sondern auch über spezielle Software­erweiterungen für verschiedene BIM-­Planungssoftwares (BIM-Plugins) auch die führenden CAD-Planungsprogram­me. Der entscheidende Vorteil aber ist, dass die Anbindung an das PIM-System einen Automatisierungs- und Aktualisierungsworkflow schafft. Alle Änderungen und Aktualisierungen im PIM-System werden automatisch über die „BIM & More“-Infrastruktur in allen genutzten BIM-Downloadportalen und BIM-Plugins zur Verfügung gestellt. Das reduziert nicht nur den künf­tigen Pflegeaufwand der BIM-Daten auf ein Minimum, sondern gewährleistet erstmals, dass BIM-Objekte beim Planer immer aktuell sind. Da die technische Übermittlung der Produktdaten von der Industrie zum Planungsbüro noch nicht einheitlich erfolgt, bestehen derzeit große Unterschiede in der Datengüte. Die Werkbank fordert deshalb von Architekten, künftig nur Angebote von Bauproduktherstellern zu nutzen, die auf „Real Single Sourcing“ setzen. „Real Single Sourcing“ verspricht, dass sich das BIM-Angebot eines Herstellers direkt an dessen PIM-Angebot bedient. Nur so wird gewährleistet, dass die verwendeten Daten wirklich aktuell sind.

Die Bauproduktindustrie profitiert mindestens genauso von dieser Technologie. Warum? Nur auf diese Weise kann sie ihr Produktportfolio aufwands- und kostenoptimiert abbilden. Die Indus­trie pflegt die Daten ausschließlich an einer einzigen Stelle, nämlich im haus­eigenen PIM-System. Die Vorteile: große Effizienz, nahtlose Prozesse und keine Lücke im Datenbereitstellungsprozess.

Datenintegrität rückt in den Vordergrund

Hersteller von Produkten wie Dämmstoffen bzw. Dämmstoffsystemen, Putzen, Mörteln, Bauplatten, Bodenbelägen, Dachziegeln, Dachsystemen, Innen- und Außenwandsystemen haben eine Gemeinsamkeit: Sie müssen Planern und Architekten integre und aktuelle Daten bereitstellen. „Real Single Sourcing“ ist eine Garantie für Bauproduktproduzenten, dass die Datenhoheit immer im eigenen Haus verbleibt. Es ermöglicht der Bauproduktindustrie Produktions-, Vertriebs- sowie Produktdaten selbst zu erfassen und auf dieser Grundlage auch die internen Prozesse zu optimieren. Zudem haben die Bauprodukthersteller durch diese Methode auch die Sicherheits­risiken selbst in der Hand.

„BIM & More“ etwa fungiert in diesem Gesamtprozess als eine Art Pipeline mit BIM-Aufbereitungsanlage zwischen der internen Datenbank des Herstellers, die ohnehin laufend gepflegt werden muss, und Architekten und Planern. Diese haben über die BIM-Plug­ins in den gängigen CAD-Programmen und über Downloadportale nur zu den BIM-Objekten Zugriff, die tatsächlich im Produktdaten-Managementsystem auf Industrieseite vorliegen. Damit erübrigt sich für die Industrie die sonst unheimlich aufwendige Datenpflege in den einzelnen Kanälen (BIM-Downloadportale und -Plugins), wann immer sich Veränderungen im Produktportfolio ergeben. Zudem erlaubt eine benutzerfreundliche BIM-­Infra­struk­tur der Industrie, die digitale Transformation selbst in der Hand zu behalten und damit letztlich auch die Kontrolle über die eigenen Daten. Gerade in Zeiten, in denen disruptive Geschäftsmodelle alle Branchen um­krem­peln, ist Datenhoheit wichtiger denn je.

Dabei ist Datenhoheit eine Anforderung, die nur dann erfüllbar ist, wenn sämtliche am Bereitstellungsprozess beteiligten Komponenten in der herstellereigenen Serverinfrastruktur betrieben werden. Ein wesentlicher Grundsatz auch für die BIM-Infrastruktur „BIM & More“. Denn die BIM-Daten verlassen das „digitale Hoheitsgebiet“ des Industriekunden erst mit der endgültigen Datenübergabe an den CAD- beziehungsweise BIM-Planer.

Dies ist ein weiterer Garant für Datenintegrität und somit -aktualität. Und das bedeutet nicht weniger, als dass eine ganz neue Stufe der Zusammenarbeit zwischen Bauproduktindustrie und BIM-­Architekten erreicht werden kann.

Die Werkbank

Mit der Webanwendung „BIM & More“ ( www.bim-more.com) stellt das Unternehmen die Werkbank ( www.diewerkbank.eu ) der Bauproduktindustrie eine komplette Toolchain zur Verfügung, die effizient das gesamte Produktportfolio in herstellerspezifischen BIM-Content übersetzt und über individuelle BIM-Plugins sowie über alle relevanten BIM-Portale veröffentlicht, so dass sie für Planer und Architekten in den führenden CAD-Programmen bereitstehen.

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