Digitale Baustelle, steigende Bedrohung

Wie die Baubranche sich gegen Cyberangriffe, Ransomware und Co. wappnen muss

In Zeiten zunehmender Cyberangriffe fehlt es Unternehmen aus der Baubranche oft an Ressourcen für die IT-Sicherheit. Gleichzeitig nimmt die Zahl gezielter Angriffe auf Planungs-, Architektur- und Handwerksbetriebe weiter zu. Die Digitalisierung der Bauprozesse sorgt dafür, dass sensible Projektdaten zunehmend ins Visier professioneller Cyberkrimineller geraten – umso wichtiger ist ein hochwirksamer Schutz, der Angriffsflächen reduziert und die digitale Widerstandsfähigkeit deutlich erhöht.

Besonders kleine und mittelständische Planungs-, Architektur- und Handwerksbetriebe benötigen ganzheitliche Sicherheitslösungen.
Bild: Clipdealer

Besonders kleine und mittelständische Planungs-, Architektur- und Handwerksbetriebe benötigen ganzheitliche Sicherheitslösungen.
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Die Digitalisierung hat längst auch die Baubranche erfasst. Architekten, Planungsbüros und Handwerksbetriebe arbeiten heute fast ausschließlich mit digitalen Bauplänen, Kommunikationsplattformen und cloudbasierten Projekttools. Was einerseits Effizienz und Flexibilität ermöglicht, eröffnet zugleich neue Angriffsflächen für Cyberkriminelle. Lange Zeit galt die Branche als weniger interessant für Angreifer, doch diese Wahrnehmung ist überholt. Gerade kleinere Betriebe ohne große IT-Abteilungen sind inzwischen ein attraktives Ziel, weil ihre Schutzmaßnahmen oft lückenhaft sind und die Systeme nur unregelmäßig überwacht werden.

Der „State of Ransomware 2025“ von Sophos zeigt deutlich, wie sehr Unternehmen aller Branchen unter dieser Entwicklung leiden. Fast die Hälfte der befragten Firmen entschied sich im vergangenen Jahr, nach einem Angriff ein Lösegeld zu zahlen, um den Zugriff auf ihre Daten wiederzuerlangen. In Deutschland lag die Quote mit 63 % sogar noch höher. Zwar konnte in vielen Fällen eine niedrigere Summe als ursprünglich gefordert ausgehandelt werden, doch bleibt der finanzielle und organisatorische Schaden erheblich.

Schwachstellen und Ressourcenknappheit

Ausgenutzte Schwachstellen sind die häufigste technische Ursache für Angriffe. 40 % aller befragten Ransomware-Opfer geben in der Sophos-Studie an, dass die Angreifer eine ihnen nicht bekannte Sicherheitslücke ausnutzten. In Deutschland stellt sich diese Situation mit 45 % sogar noch verschärfter dar. Dies verdeutlicht die anhaltenden Schwierigkeiten von Unternehmen, ihre Angriffsfläche zu erkennen und zu sichern. 63 % der befragten Unternehmen weltweit bestätigen, dass Ressourcenprobleme ein Faktor dafür waren, dass sie Opfer des Angriffs wurden. 67 % der Unternehmen in Deutschland liegen hierbei sogar über dem internationalen Schnitt. Global wurden in diesem Zusammenhang mangelnde Fachkenntnisse als wichtigste operative Ursache in Unternehmen mit mehr als 3.000 Mitarbeitern genannt. Unternehmen mit 251 bis 500 Mitarbeitern kämpften am häufigsten mit einem Mangel an personellen Ressourcen bzw. Kapazitäten.

Druck auf Unternehmen der Baubranche

Der Druck auf Unternehmen bleibt hoch, da Angriffe weiterhin komplexer und gezielter erfolgen. Für Architektur- und Handwerksbetriebe lassen sich aus Ergebnissen des Sophos-Reports mehrere Schlüsse ziehen. Besonders gravierend ist die hohe Zahl erfolgreicher Angriffe über ungepatchte Sicherheitslücken. Viele Betriebe arbeiten mit branchenspezifischer Software, die nicht immer regelmäßig aktualisiert wird. Veraltete Programme oder ungesicherte Zugänge zu Projektplattformen können daher ein einfaches Einfallstor sein. Hinzu kommt die enge Abhängigkeit von Drittdienstleistern, etwa für Cloud-Speicher oder externe Projektmanagementsysteme. Wenn dort Sicherheitslücken auftreten, sind über die IT-Lieferkette oft gleich mehrere Projekte und sensible Kundendaten gefährdet.

Unternehmen der Baubranche müssen ihre Systeme aktiv überwachen, um Angriffe frühzeitig zu erkennen.
Bild: Clipdealer

Unternehmen der Baubranche müssen ihre Systeme aktiv überwachen, um Angriffe frühzeitig zu erkennen.
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Ein weiteres Problem liegt im Ressourcenmangel. Bauunternehmen verfügen selten über die finanziellen Mittel, ein eigenes Security Operations Center einzurichten oder IT-Spezialisten für Security dauerhaft zu beschäftigen. Schulungen für Mitarbeitende, die zwar täglich mit sensiblen Daten arbeiten, aber keine IT-Expertise besitzen, bleiben oft auf der Strecke. Die Baubranche steht damit vor einer doppelten Herausforderung: Einerseits verlangt die digitale Transformation nach mehr Geschwindigkeit, Zusammenarbeit und Transparenz, andererseits steigt die Bedrohungslage durch immer professioneller agierende Cyberkriminelle. Deshalb benötigen auch kleinere Unternehmen eine hochwirksame Cybersicherheit, die sie sich leisten können – ohne die Komplexität und Kosten klassischer Lösungen für Großunternehmen.

Managed Security statt Eigenverantwortung

Ein weiteres Problem vieler KMUs ist der sogenannte Sicherheits-Flickenteppich: Im Laufe der Zeit werden unterschiedlichste Tools und Insellösungen implementiert – oft ohne übergreifendes Konzept und ohne automatisierte Interaktion zwischen den Komponenten. Das Ergebnis: hohe Komplexität, mangelnde Übersicht und Sicherheitslücken. Für KMUs, die weder Budget noch Kapazitäten für eine eigene Sicherheitsabteilung haben, ist die Kombination aus Managed Detection and Response (MDR) und Managed Service Providern (MSPs) besonders attraktiv. Spezialisierte Dienstleister übernehmen Aufgaben wie Systemüberwachung, Backup-Management und Patch-Updates, während MDR-Dienste gezielt auf Bedrohungen reagieren – und zwar 24/7. Ein zusätzlicher Vorteil: Unternehmen, die MDR-Dienste nutzen, gelten bei Cyberversicherern als besonders abgesichert – was sich positiv auf die Beiträge auswirkt.

Sicherheitslücke schließen – mit System

Die Kluft zwischen großen Unternehmen mit spezialisierten Sicherheitsteams und kleinen Betrieben mit begrenzten Mitteln wird größer. Gleichzeitig nimmt die Bedrohungslage weiter zu – sowohl in technischer Raffinesse als auch in Häufigkeit. Eine intelligente Verbindung von Technologie, Expertise und Automatisierung schließt diese Lücke. Sie macht hochwirksame Sicherheit für KMUs zugänglich – nicht als isolierte Lösung, sondern als durchdachtes System, das sich flexibel an Unternehmensgrößen und -anforderungen anpassen lässt. Das Ergebnis: eine resiliente Sicherheitsstruktur, die nicht nur schützt, sondern die Baubranche befähigt, das digitale Zeitalter sicher und selbstbewusst zu gestalten. Ganz ohne eigene Security-Experten, aber mit Schutz auf Konzernniveau.

Wenn Baupläne, Kalkulationen oder Kundendaten in die Hände von Cyberkriminellen gelangen, steht nicht nur ein Projekt auf dem Spiel, sondern oft die gesamte wirtschaftliche Existenz. Prävention, klare Prozesse und eine realistische Einschätzung der eigenen Möglichkeiten sind deshalb die tragenden Säulen, auf die Planungs-, Architektur- und Handwerksbetriebe bauen sollten.

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