Organisation beim Energiearchitekten

Projektsoftware als Rückgrat

Neben AVA und CAD wurde in der Werkgemeinschaft Böhme Hilse bereits sehr früh eine Projektsoftware für Ablage, Projektsteuerung und Terminkontrolle zum Rückgrat der Organisation. Seit zwei Jahren wird die cloudbasierte Version eingesetzt, die eine Integration in das zentrale Projekttagebuch bietet.

Norbert Böhme von der Werkgemeinschaft Böhme Hilse in Stuttgart definiert sich als „Energiearchitekt“. Das mit seinem Partner 1986 gegründete Architekturbüro hat seither knapp 300 Projekte geplant und gebaut – mit Schwerpunkt Wohnungsbau in allen Facetten, Studentenwohnungen, Hotels, Pflegeheime, sozialer Wohnungsbau, Asylunterkünfte, gewerblicher Wohnungsbau, Industrie- und Gewerbebauten sowie Kulturgebäude.

„Unsere Stärke ist es, punktgenau alle Wünsche unserer Auftraggeber zu erfüllen. Tugenden, die Architekten eigentlich nicht mehr zugetraut wurden. Termin- und Kostentreue, Transparenz in der Projektabwicklung. Wir haben die Erwartungen regelmäßig übererfüllt und unseren Kunden viel Arbeit erspart.“

Rückgrat der Organisation

„Das hat uns einen guten Ruf und viele Aufträge gebracht. Einen wesentlichen Anteil daran hat unsere Projektsoftware ‚BauProCheck‘.“ Bereits Mitte der 1990er Jahre hat die innovativ aufgestellte Werkgemeinschaft neben AVA und CAD für die Projektabwicklung und -dokumentation diesen für Architekten und Ingenieure damals neu auf den Markt gekommenen Typ Software eingesetzt. „Als alle anderen sich noch komplizierte Verzeichnisstrukturen für die Projektablage ausgedacht und sich trotzdem einen Wolf gesucht haben, haben wir das bereits der Datenbank überlassen. Die Ablage ist automatisiert und nicht mehr mitarbeiterabhängig. So können wir sicher sein, alles in kürzester Zeit wiederzufinden, weil die Strukturen zentral für alle einheitlich sind. Und neue Mitarbeiter finden sich schnell zurecht und müssen das Rad nicht mehr neu erfinden.“

Das Thema wurde noch viel wichtiger mit der wachsenden E-Mail-Flut. „Wir waren fein raus, weil das Projekttagebuch E-Mails, Dokumente, Termine und Aufgaben in einer Struktur abbildet und nicht mehr in Outlook und in Verzeichnissen parallel gesucht werden muss. E-Mails und Anhänge werden auf Knopfdruck eingelesen. Hinterlegte Dokumentvorlagen, die per Briefautomatik einfach per Klick aus der Datenbank vorausgefüllt werden – Stichwort „wer schreibt, der bleibt“ –, und Regelabläufe mit Terminerinnerungen helfen uns, Fehler zu vermeiden und Termine zu halten. Das gibt eine große Transparenz. Und einen teuren Exchange-Server haben wir uns auf die Weise auch gespart.“

Die Mitarbeiter haben jederzeit ihre To-Do-Listen im Griff, die Projektleiter Übersicht über alle Projektgeschehnisse. „So können wir unseren Auftraggebern oder den Käufern jederzeit Auskunft geben, was sehr geschätzt wird.“

Wird eine teilweise oder gesamte Projektdokumentation benötigt, genügt ein Knopfdruck. „Das ist im Streitfall bares Geld wert. Nicht nur, dass es wochenlange Sucherei erspart. Noch besser: Das Projekttagebuch wendet häufig bereits im Vorfeld Streit ab, weil die Gegenseite weiß, dass wir bestens dokumentiert sind.“

 

Energiearchitekt

Vor gut zehn Jahren begann die Um­orien­tie­rung des Büros in Richtung „Energiearchitektur“. „Es war klar, welche Relevanz das Thema Energie zukünftig für die gesamte Bauwirtschaft haben wird.“

Als gestandener Architekt erarbeitete er sich das technische Rüstzeug und machte eine Ausbildung zum Passiv­haus­planer. „Das war eine harte Schule – quasi zusätzlich zum Architekt der Ingenieur. Aber es hatte mich schon immer genervt, mit den Fachingenieuren nicht auf Augenhöhe diskutieren zu können. Das hat sich damit grundlegend geändert“, strahlt er.

 

Gebäude ohne Schornstein

Schon nach kurzer Zeit wurde ihm klar, dass Passivhäuser nicht die Zukunft sind. „Wir können die Wände ja nicht immer noch dicker bauen.“ Also wechselte er die Seite – vom Passiv­haus zum Aktivplushaus und ist seit 2012 engagiert beim AktivPlus e.V. „Die Sonne liefert täglich viel mehr Energie, mehr als wir verbrauchen kön­nen. Aktivplushäuser nutzen die Sonnen- und andere regenerative Energien und liefern mehr Strom als sie selbst verbrauchen. Diese Energie steht den Bewohnern zum Beispiel auch für Elektromobilität zur Verfügung.“

Konsequent begann er mit seinem Team neben der Architektur auch die Energiekonzepte zu entwickeln.

Zwischenzeitlich sind mehrere Plus­ener­gie­ob­jekte fertig gestellt und haben die Erwartungen hinsichtlich Energieerzeugung und Klimaneutralität – wieder – übererfüllt: zwei Gewerbeeinheiten im AktivPlus-Standard, das erste Migrantenwohnheim in Deutschland, das sich nahezu komplett mit Photovoltaik versorgt und seine Energieüberschüsse zudem in einer öffentlichen Schnellladestation kostenneutral zwischenlagert.

Norbert Böhme stellt fest: „Bis zu zwei Geschossen sind Gebäude relativ einfach in einen AktivPlus- oder Plusener­giestandard zu bringen. Die Herausforderung beginnt bei Gebäuden, die höher sind.“

Davon ist gerade eines mit fünf Geschossen im Bau, bei dem alle Register gezogen werden mussten: Photovoltaik auf dem Dach, organische Photovoltaik an den Balkons, Abwas­ser­wärmenutzung, Erdwärmepumpen. Jede der 22 Wohnungen erhält eine weitgehend netzunabhängige Stromladestation in der Tiefgarage.

Als weiteres Projekt ist ein „schwesterlicher“ Verbund von vier Mehrfamilienhäusern, die die Überschussener-
gie untereinander teilen, im Bau. Pa­ral­lel wird das erste Haus mit Wasserstoffspeicher geplant, am schönen Bodensee.

Die konsequente Neuausrichtung des Büros hat sich gelohnt. Der Kompetenzvorsprung ist sehr gefragt. Im letzten Jahr wurde Norbert Böhme für seine Energiearchitektur gleich mit zwei Preisen international ausgezeichnet: eine komplette Wohnanlage mit 28 Wohngebäuden, die so viel Energieüberschuss erzeugen, dass damit beispielsweise 150.000 km elektrisch gefahren werden können. „Oder die etwa 150 t CO2-Emissionen sparen. Um diese Menge CO2 durch Photosynthese zu kompensieren, wären rund 2.500 Bäume notwendig. Mittlerweile geht es nicht mehr um Energie, es geht um CO2“, ist Norbert Böhme überzeugt.

Hand in Hand arbeiten in der Cloud

Parallel zur innovativen Architektur wurde auch die Projektsoftware der Werkgemeinschaft auf neueste cloudbasierte Technologie umgestellt. „Un-
sere Projekte sind regional weit verteilt. Die ‚BauProCheck‘-Neuentwicklung ermöglicht Zugriff von überall auf unsere Projekte. Damit verstärken jetzt ohne Probleme externe Bauleiter und Planer das Team. Sie arbeiten in den definierten Strukturen genauso transparent und sicher, und ich kann ruhig schlafen.“ Die neue Programmgeneration unterstützt und verschränkt die Tätigkeiten von Chef, Projektsteuerung, Planung, Bauleitung und Assistenz einfach genial. Egal, ob E-Mails, Briefe, Dokumente, Telefonate, To-Dos, Protokolle, Pläne, Bautagebuch, Mängel, Sonderwünsche oder Zeiterfassung: Alles findet sich im Projekttagebuch in einer einheitlichen Struktur übersichtlich wieder. „So weiß ich jederzeit, wo was gerade geschieht.“ Automatisierte Wetterdokumentation und mobile Mängelverfolgung mit Fotos und Planverortung begeistern nicht nur die Bauleiter, sondern auch den Chef. „Gerade in der Bauleitung sparen wir jeden Tag mindestens zwei Stunden Arbeitszeit, und ohne die integrierte Zeiterfassung hätten wir schon viel Geld verloren.“

Der Umstieg von Fileserver auf cloudbasiert war einfach. „Die Daten konnten alle übernommen werden“, bestätigt Norbert Böhme, „nur wenig musste überarbeitet werden. Um Updates brauchen wir uns auch nicht mehr zu kümmern, das macht jetzt der Anbieter für uns. Und wenn es aus irgendeinem Grund nötig wäre, können wir die Software auch selbst hosten.“

Fazit von Norbert Böhme: „Das schönste ist, dass die Mitarbeiter sehr gern mit ‚BauProCheck‘ arbeiten und es nicht missen möchten, weil es ihnen und ihren Kollegen das Leben wirklich leichter macht. Und alle zusammen freuen wir uns auf die in Planung befindlichen IBA-Projekte für die Internationale Bauausstellung 2027, für die wir als anerkannte Energiearchitekten gesetzt sind.“