Gebäudetyp E: Einfach bauen heißt digital bauen

Statement von Yves Padrines, CEO Nemetschek Group

Gebäudetyp E markiert den Übergang von starren technischen Normen zu leistungsorientierten Anforderungen.
Bild: Nemetschek Group / Adobe Firefly, KI generiert

Gebäudetyp E markiert den Übergang von starren technischen Normen zu leistungsorientierten Anforderungen.
Bild: Nemetschek Group / Adobe Firefly, KI generiert
Mit dem geplanten Gesetz zum Gebäudetyp E will die Bundesregierung den Wohnungsbau aus der Kostenfalle holen. Weniger Bürokratie und mehr planerische Freiheit, solange die Schutzziele erfüllt bleiben. Davon erhoffen sich der Gesetzgeber und die Baubranche schnellere Verfahren, neue Spielräume für nachhaltige Innovation – und spürbar reduzierte Baukosten. Während die Politik das Einsparpotenzial mit bis zu 10 % beziffert, zeigen erste empirische Analysen, dass, je nach Maßnahme, auch wesentlich höhere Kostenreduktionen denkbar sind.

Mit BIM raus aus der Bürokratie-Falle

In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Weniger Norm heißt nicht automatisch weniger Aufwand. Wer etwa eine Decke schlanker ausführt als üblich, muss nachweisen, dass sie trotzdem anforderungsgemäß trägt, dämmt oder akustisch schirmt. Solche Nachweise über numerische Simulationen zu führen, ist aufwendig, insbesondere dann, wenn sie fallbezogen kalkuliert werden müssen. Ohne digitale Werkzeuge, die Variantenfähigkeit sicherstellen, wird aus der Abkürzung schnell ein bürokratischer Bumerang.

Mit einem digitalen Modell des Gebäudes, das Entwurf, Simulation und Kostenschätzung integriert, gelingt dies dagegen konsistent und effizient. Gerade bei Abweichungen von anerkannten Regeln der Technik – die nach geltender Rechtslage weiterhin als Maßstab für ein mangelfreies Werk gelten – schafft ein digitales Modell die notwendige Transparenz. Es erleichtert den Dialog mit Bauherren, die technische Fragen zu Ausführungsvarianten, zur Werthaltigkeit und Zukunftsfähigkeit von Gebäuden des Typs E stellen. Darüber hinaus erleichtern BIM-Modelle die fundierte Nachhaltigkeitsbetrachtung von Gebäuden in ihren verschiedenen Variationen.

Effizient betreiben, sanieren und umbauen zählt

Yves Padrines, CEO Nemetschek Group.
Bild: Nemetschek Group

Yves Padrines, CEO Nemetschek Group.
Bild: Nemetschek Group
Die Debatte zum Gebäudetyp E kreist bislang vor allem um den Neubau. Doch der eigentliche Hebel liegt im Bestand: Rund 70 % der Bauprojekte in Deutschland betreffen Sanierungen, Umbauten oder Erweiterungen. Auch hier kann der Gebäudetyp E Freiräume schaffen, sofern die Planungsgrundlagen stimmen. Ohne digital erfasste Bestandsdaten, keine effiziente Variantenbildung. Ohne durchgängiges Modell, keine belastbaren Prognosen zur Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit.

Ein digitaler Zwilling begleitet das Gebäude über seinen gesamten Lebenszyklus – von der ersten Skizze bis zum Rückbau. Wer heute an der Digitalisierung spart, zahlt morgen doppelt: mit unflexiblen Bauwerken, teuren Nachrüstungen und juristischen Risiken. Nachhaltig ist ein Gebäude nicht, weil es weniger kostet, sondern weil es dauerhaft anpassbar bleibt – funktional, wirtschaftlich und ökologisch.

Digital planen heißt auch: reaktionsfähig bleiben

Der Gebäudetyp E markiert den Übergang von starren technischen Normen zu leistungsorientierten Anforderungen – ein Paradigmenwechsel, den auch die neue EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) vorantreibt. Sie fordert mehr Energieeffizienz, digitale Transparenz und Dekarbonisierung entlang des gesamten Lebenszyklus. Wer heute digital plant, bleibt nicht nur regelkonform, sondern auch anpassungsfähig in einem sich wandelnden Markt. Der Gebäudetyp E wird so zum Symbol einer Bauwende, die einfach, innovativ und nachhaltig ist – wenn sie digital gedacht wird.

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