KI zwischen Halluzinationen und Genialität

Künstliche Intelligenz (KI) gewinnt zunehmend Einfluss auf den Bausektor. Von der Planung über die Genehmigung und Ausführung bis hin zum Betrieb sowie dem Um- oder Rückbau eröffnet KI neue Möglichkeiten der Automatisierung, Optimierung und datenbasierten Entscheidungsfindung. Arbeitserleichterungen, Effizienzsteigerungen, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit gelten dabei als zentrale Versprechen dieser Technologie. Diese Erwartungen spiegeln sich auch in den Marktzahlen wider. Der weltweite Markt für KI im Bauwesen wächst dynamisch, und erste Studien attestieren die versprochenen Produktivitätsgewinne sowie verkürzte Planungszeiten. International ist bereits ein Übergang zu automatisierten und lernenden Bauprozessen zu beobachten, während aber der Einsatz in Deutschland noch vergleichsweise am Anfang steht1).

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in der Redaktion:
Markus Münzfeld
Tel.: 05241 2151-3232
markus.muenzfeld@bauverlag.de
Bild: CS

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Mit zunehmender praktischer Nutzung tritt jetzt hierzulande ein Aspekt stärker in den Vordergrund, der in der öffentlichen Diskussion bislang weniger Beachtung findet: der Umgang mit der KI selbst. Wer erste Aufgaben mithilfe künstlicher Intelligenz bearbeitet, stellt schnell fest, dass diese Systeme nicht nur reagieren, sondern aktiv in den Arbeitsprozess eingreifen. Sie stellen Rückfragen, erweitern den Kontext und schlagen zusätzliche Aspekte vor. Diese Impulse sind häufig sinnvoll, können den ursprünglichen Fokus jedoch verschieben und Prozesse unerwartet ausdehnen. Für die Nutzer kann daraus eine gewisse Unsicherheit entstehen, insbesondere wenn Ziel, Umfang und Ergebnis nicht mehr klar voneinander abgegrenzt sind.

Spätestens an diesem Punkt rückt das verwendete KI-Modell in den Mittelpunkt. Die Vielzahl verfügbarer Anwendungen unterscheidet sich deutlich hinsichtlich Datengrundlagen, Funktionsumfang und Zielsetzung. Zudem bestehen klare Unterschiede zwischen kostenfreien und kostenpflichtigen Angeboten. Kostenfreie Modelle sind häufig darauf ausgelegt, die Nutzungen auszudehnen und Aufmerksamkeit zu binden, während spezialisierte oder bezahlte Anwendungen stärker auf Verlässlichkeit und Tiefe ausgelegt sein können. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf die Qualität und Belastbarkeit der Ergebnisse aus.

Für eine erfolgreiche Nutzung von KI ist aber nicht allein die Technologie entscheidend, sondern das Verständnis für ihren Einsatz. Ein grundlegendes Benutzer-Einmaleins wird zur Voraussetzung, um KI zielgerichtet einsetzen zu können.2) Dazu gehört insbesondere, die Systeme klar zu steuern und einzugrenzen. Über präzise Vorgaben in den Einstellungen oder im sogenannten Prompt lässt sich beeinflussen, ob eine KI bspw. Ergebnisse streng prüft und gegenprüft oder kreative Freiräume bis hin zur – oft vom Nutzer nicht wahrgenommenen – Halluzination nutzt. Ohne diese Eingrenzungen liefern KI-Systeme stets eine Antwort – selbst dann, wenn keine belastbare Grundlage vorhanden, somit ein Teil des Ergebnisses frei erfunden, sprich halluziniert ist. Das Phänomen der Halluzination ist damit weniger ein technischer Fehler als eine Folge unklarer Steuerung. Und spätestens hier kann es gravierende Folgen haben, die im schlimmsten Fall zu Schädigungen im Geschäfts- bzw. Projektablauf führen.

Fazit: KI verfügt über weit mehr als das Potenzial, Arbeitsprozesse effizient zu unterstützen. Ihr Nutzen entfaltet sich jedoch nur dann, wenn Anwenderinnen und Anwender lernen, KI gezielt zu nutzen, einzugrenzen und zu kontrollieren. Klare Vorgaben und bewusste Steuerung entscheiden darüber, ob KI zum hilfreichen Werkzeug oder zum dominierenden Akteur im Arbeitsprozess wird. Andernfalls besteht die Gefahr, dass nicht der Mensch die KI nutzt, sondern die KI den Menschen lenkt, meint

Markus Münzfeld

Chefredakteur COMPUTER SPEZIAL

 

2) Einen Artikel zum Thema finden Sie exklusiv bei uns: „KI-Praxisleitfaden für verlässliche Ergebnisse

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