Allplan Trend-Report: KI und BIM prägen die Zukunft des Bauwesens
09.09.2026Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich vom Experiment zum produktiven Bestandteil moderner Planungsprozesse. Ihr volles Potenzial kann sie jedoch nur auf Basis strukturierter und verlässlicher Projektdaten entfalten. Gleichzeitig erleichtert KI die Erstellung, Strukturierung und Nutzung der Daten, die für BIM-basierte Prozesse erforderlich sind. Dieses Zusammenwachsen von KI und BIM ist eine der zentralen Entwicklungen, die der neue Allplan Trend Report „Die neue Bauwelt – KI, BIM und Nachhaltigkeit“ aufzeigt.
Der neue Allplan Trend-Report „Die neue Bauwelt“ zeigt, wie KI, BIM und Nachhaltigkeit die Zukunft der Bauwirtschaft prägen.
Bild: Allplan
Vor dem Hintergrund steigender Nachhaltigkeitsanforderungen, des Fachkräftemangels und anhaltender Produktivitätsherausforderungen untersucht der Report, wie KI, BIM, digitale Zwillinge und Automatisierung die Bauwirtschaft verändern. Im Fokus stehen dabei drei Entwicklungen: Any-to-BIM, semantisches Mapping und KI-gestütztes generatives Design. Sie können dazu beitragen, fragmentierte Projektinformationen in durchgängige, datenbasierte Workflows zu überführen.
Stefan Kaufmann, Head of Product AI bei Allplan, sagt: „Künstliche Intelligenz wird die Expertise von Architekten und Ingenieuren nicht ersetzen. Sie wird jedoch grundlegend verändern, wie diese Expertise eingesetzt wird. Die größte Wirkung entsteht, wenn KI nicht als isoliertes Werkzeug betrachtet wird, sondern als intelligente ‚Baumeister-Ebene‘ in durchgängigen BIM-basierten Workflows. So entstehen bessere Entscheidungen, effizientere Prozesse und eine durchgängige Verbindung zwischen Planung, Ausführung und Betrieb.“
BIM als Datenbasis intelligenter Prozesse
BIM schafft den methodischen Rahmen für eine modellbasierte, interdisziplinäre Planung. Die im BIM-Modell strukturierten Daten bilden dabei die Grundlage für Automatisierung, Simulation und fundierte Entscheidungen. Heute bremsen unstrukturierte Bestandsdaten, aufwendige manuelle Datenpflege, hohe Einstiegshürden und Interoperabilitätslücken zwischen Softwarelösungen und Standards die breitere Nutzung.
Genau hier setzt KI an. Sie kann Informationen aus PDFs, Tabellen, 2D-Zeichnungen und BIM-Modellen strukturieren und für modellbasierte Prozesse nutzbar machen. Das reduziert Medienbrüche, erschließt vorhandene Daten besser und schafft eine konsistentere Grundlage für Entscheidungen.
Drei Entwicklungen prägen die nächste Generation digitaler Planung
Zu den im Report beschriebenen Entwicklungen zählt Any-to-BIM: multimodale Eingaben aus Plänen, Texten und Dokumenten können künftig dazu beitragen, schneller strukturierte Modelle oder Modellinhalte zu erzeugen. Im Mittelpunkt steht dabei nicht ein vollautomatisiertes Design, sondern ein Planungsprozess, in dem menschliche Fachkompetenz und maschinelle Intelligenz optimal zusammenwirken.
Auch semantisches Mapping (Verwendung grafischer Darstellungen von Informationen, um komplexe Informationssätze leicht zu erfassen) gewinnt an Bedeutung. KI-gestützte Verfahren können unstrukturierte Informationen interpretieren, klassifizieren und BIM-Objekten oder Datenstrukturen zuordnen. Das soll insbesondere den Umgang mit Bestandsdaten sowie die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Systemen und Projektbeteiligten erleichtern.
Beim Generativen Design können KI-gestützte Verfahren zahlreiche Entwurfsvarianten erzeugen und anhand definierter Kriterien bewerten – etwa hinsichtlich Energieeffizienz, Materialeinsatz, Kosten, Ergonomie oder Tragfähigkeit. Planende erhalten damit schneller belastbare Entscheidungsgrundlagen und können mehr Alternativen untersuchen.
Nachhaltigkeit früh und messbar integrieren
Nachhaltigkeit sollte bereits in frühen Planungsphasen berücksichtigt werden. Laut dem Trend-Report entfallen rund 33 % der globalen CO₂-Emissionen auf die Baubranche, während das Bauwesen 50 % des europaweiten Materialverbrauchs verantwortet. Lebenszyklusanalysen, Materialkennwerte und weitere Nachhaltigkeitsdaten sollten deshalb unmittelbar in Entwurfsentscheidungen einfließen.
Mithilfe von BIM und KI lassen sich Varianten nicht nur nach Kosten und Qualität, sondern zunehmend auch nach ihrer Umweltwirkung vergleichen. Das schafft die Grundlage für nachvollziehbare Nachhaltigkeitsentscheidungen und eine belastbare Dokumentation.
Digitale Zwillinge und Automatisierung verlängern den Nutzen von Daten
Der Nutzen eines BIM-Modells muss nicht automatisch mit der Übergabe eines Bauwerks an den Eigentümer enden. In Verbindung mit Sensorik, IoT-Systemen und Echtzeitdaten kann es zum digitalen Zwilling werden, der den Zustand und die Nutzung eines Gebäudes oder einer Infrastruktur kontinuierlich abbildet. Dies unterstützt bspw. vorausschauende Wartung, Energieoptimierung, ESG-Reporting sowie Entscheidungen zu Sanierung, Umnutzung und Investitionen.
Auf der Baustelle und in der Fertigung gewinnen Robotik und Automatisierung an Bedeutung. Digitalisierte Fertigungslinien, Industrieroboter, autonome Transportsysteme, Drohnen und automatisierte Markierungssysteme können die Präzision erhöhen, Nacharbeit reduzieren und Abläufe besser planbar machen. Ihr Potenzial entfalten diese Technologien vor allem dann, wenn sie auf zuverlässigen und detailreichen Daten aufbauen.
Menschliche Expertise bleibt entscheidend
Technologie allein genügt laut Allplan nicht. Architekten und Ingenieure benötigen neben ihrer fachlichen Kompetenz ein zunehmend fundiertes Verständnis für Daten, digitale Prozesse, KI und messbare Nachhaltigkeit. Die neue Bauwelt entstehe nicht durch die Ablösung menschlicher Expertise, sondern durch ihre Erweiterung und Vernetzung.
Der Trend-Report kommt zum Fazit: Nicht KI allein wird die Bauwirtschaft verändern, sondern ihr Zusammenspiel mit strukturierten Daten, offenen BIM-Standards und der Expertise von Architekten und Ingenieuren. Der vollständige Allplan Trend Report „Die neue Bauwelt – KI, BIM und Nachhaltigkeit“ steht zum Download bereit.
