Praxisnahe Softwareausbildung für den Planungsalltag

Wie digitale Werkzeuge Studierende auf Ausschreibung, Honorarermittlung und Baudokumentation vorbereiten

Praxisnahe Lehre erfordert Werkzeuge, die auch im Berufsalltag eingesetzt werden. An der Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst der FH Erfurt nutzen Studierende deshalb Softwarelösungen für Ausschreibung, Honorarermittlung und Baudokumentation, um reale Planungs- und Verwaltungsprozesse kennenzulernen.

„University of Applied Sciences“: die Fachhochschule Erfurt steht für eine wissenschaftliche Ausbildung mit praxisorientierten Anwendungen. Die Angebote der zahlreichen Fachrichtungen, darunter auch Architektur und Stadtplanung, Bauingenieurwesen, Gebäudetechnik oder Landschaftsarchitektur ermöglichen ein effizientes, fokussiertes Studium. Es ebnet einerseits den Weg in die berufliche Praxis, andererseits bietet es Möglichkeiten einer weiteren akademischen Bildung.

An der Fakultät Landschaftsarchitektur, Gartenbau und Forst absolvieren semesterabhängig 80 bis 90 Studierende einen Bachelor- und rund 30 bis 45 Studierende einen Masterstudiengang der Fachrichtung Landschaftsarchitektur. Dieses überschaubare Umfeld bietet den Studierenden angenehme, nahezu familiäre Lernbedingungen mit einer persönlichen Betreuung durch zahlreiche Lehrkräfte. Dazu gehört auch Gerd Tschersich. Er betreut als „Lehrkraft für besondere Aufgaben“ u. a. den Bereich PC- und Softwareanwendungen, der über vier PC-Räume mit insgesamt rund 100 Rechnerarbeitsplätzen verfügt. An etwa 50 Rechnern sind auch aktuelle Bausoftware-Anwendungen installiert, die von Weise Software als Education-Lizenz für die Lehre zur Verfügung gestellt wurden.

Intuitive Werkzeuge für die Lehre

Tschersich, der die Programme im eigenen, bis 2015 bestehenden Büro als freiberuflich tätiger Landschaftsarchitekt genutzt hat, schätzt vor allem die schnelle Einarbeitung: „Die Software funktioniert weitgehend intuitiv. Deshalb ist die Einstiegsphase sehr kurz und auch ohne Schulung kann man schnell produktiv damit arbeiten. In der knapp bemessenen Zeit von etwa zwei Semesterwochenstunden haben wir wenig Raum für eine aufwendige Software-Schulung. Die Studierenden brauchen ein schnell einsetzbares Werkzeug, mit dem sie die Aufgaben rasch erledigen und wir die Lehrinhalte anhand praktischer Übungen vermitteln können."

Dazu gehören u. a. eine Simulation von Abläufen im praktischen Berufsalltag von Landschaftsarchitekten – etwa bei Vergabeverfahren, der Bauüberwachung oder Honorarermittlung. Dazu hat Tschersich umfangreiche Vorlesungsunterlagen zu den theoretischen, inhaltlichen und rechtlichen Grundlagen erarbeitet. Diese werden durch praktische Übungen im Seminar begleitet, wie der Erstellung entsprechender Dokumente – etwa von Behinderungsanzeigen oder Abnahmeprotokollen. Die Lehrinhalte im Bachelor-Studiengang umfassen die Themen Ausschreibung, Vergabe, Honorarermittlung oder Bauvertragsrecht und werden im Master-Studiengang durch rechtliche Themen wie Leistungsphasen, Architektenvertrag, Vergaberecht, Bauüberwachung oder Haftungsfragen ergänzt.

Wissensvermittlung am konkreten Projekt

Wie vermittelt man aber das nötige Grundlagenwissen und Programm-Knowhow den Studierenden mit unterschiedlichem Hintergrundwissen in so kurzer Zeit und welche Unterlagen und technischen Hilfsmittel kommen zum Einsatz? Tschersich setzt auf bewährte didaktische Mittel und Methoden: „In den Seminareinheiten werden zunächst die Programmanwendungen Schritt-für-Schritt vorgestellt. Das erworbene Wissen wird anschließend anhand von Beispielen konkreter Projekte und Dokumente praktisch angewandt und verfestigt. Unsere Studierenden bearbeiten bspw. im Rahmen des Bachelor-Studiums für einen selbst erstellten Entwurf die Kostenberechnung, Honorarermittlung und das Leistungsverzeichnis. Als Weiterführung im Masterstudiengang erarbeiten sie einen Architektenvertrag und einen Terminplan. Die einzelnen Lehrveranstaltungen bauen dabei aufeinander auf und ergänzen sich.“

Einem kurzen Input zu einem bestimmten Themenkomplex – etwa zum Architektenvertrag oder Störungen des Bauablaufes – folgt die Bearbeitung der entsprechenden Dokumente in Kleingruppen am PC. Unterstützt werden die Studierenden dabei durch praxisorientierte und anschaulich illustrierte Skripte – und die Software. „Die Programme kommen bei den Teilnehmern gut an“, berichtet Tschersich, der dies vor allem auf die einheitliche Benutzerführung, einfache und intuitive Bedienung zurückführt.

Fit für den Berufsalltag

„PrintForm“ bspw. – eine modulare Bauantrags- und Vorlagensammlung – ist ein Komplettpaket, das in der Praxis ebenso wie in der Lehre breit einsetzbar ist. „HOAI-Pro“ für transparente und rechtssichere Honorare, Angebote oder Rechnungen nach HOAI wird im Wesentlichen für die Honorarermittlung für freiraumplanerische und landschaftsplanerische Leistungen, einschließlich der Kalkulation besonderer Leistungen und Nebenkosten eingesetzt. Die Studierenden berechnen damit auch Zeitansätze oder Zeitvorgaben für Planungsleistungen, Honoraranteile oder Stundensätze.

Einblicke erhalten sie auch in das „Bautagebuch“ zur umfassenden Dokumentation des Bauablaufs sowie zur Erstellung von Bautagebüchern und Baustellenberichten. Die klare Struktur, einfache Handhabung und individuelle Anpassungsmöglichkeit an die jeweiligen Bedürfnisse machen die Software zu einem universellen Hilfsmittel in der Baudokumentation. „Da die Programme von einem Hersteller stammen, müssen die Studierenden nicht umdenken und sich an andere Begriffe, Bedien- und Arbeitsabläufe gewöhnen“, was Tschersich in der Lehre als großen Vorteil sieht.

Die im Semester erlernten Grundlagen- und Softwarekenntnisse sollen die Absolventen fit für den Berufsalltag machen, auch wenn sie später möglicherweise mit anderen Software-Anwendungen arbeiten.

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