Unbound 2026: Integrierte digitale Workflows für die Baubranche

Mit der Unbound Köln 2026 hat Bluebeam seine zentrale Zukunftskonferenz erstmals nach Deutschland gebracht. In Köln demonstrierte das Unternehmen gemeinsam mit Marken der Nemetschek Group, wie integrierte digitale Workflows die Arbeit von Planungs- und Ausführungsbeteiligten konkret unterstützen. Ein zentraler Bestandteil der Veranstaltung war der direkte Austausch: Zahlreiche Bluebeam-Kundinnen und -Kunden aus Architektur-, Ingenieur- und Bauunternehmen berichteten in Vorträgen und Use Cases aus ihrer täglichen Praxis. Im Fokus der von Petra Goebel (Director Channel Sales EMEA, Bluebeam) moderierten Veranstaltung standen dabei Produktivität, Datenintegrität und die Rolle von Künstlicher Intelligenz (KI) in einer nachhaltig organisierten Projektabwicklung.

Bauindustrie im digitalen Wandel

Ruth Schiffmann, CEO von Nevaris, skizzierte In ihrer Executive Keynote „Zukunft Bauen“ die Baubranche im Umfeld von Effizienzdruck und Transformationsbedarf.
Bild: Bluebeam

Ruth Schiffmann, CEO von Nevaris, skizzierte In ihrer Executive Keynote „Zukunft Bauen“ die Baubranche im Umfeld von Effizienzdruck und Transformationsbedarf.
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In ihrer Executive Keynote „Zukunft Bauen“ skizzierte Ruth Schiffmann, CEO von Nevaris, die Branche als ein Feld mit hohem Effizienzdruck und erheblichem Transformationsbedarf. Angesichts einer massiven Lücke von 35 Bio. € zwischen Angebot und Nachfrage in der Bauindustrie bis 2040 (mit Verweis auf eine aktuelle McKinsey-Studie) sowie strenger Nachhaltigkeitsziele, betonte Schiffmann, dass Digitalisierung und KI zentrale Hebel zur Ressourcenoptimierung sind. Dabei rückte sie essenzielle Themen wie Datensicherheit, Data Governance und die zentrale Rolle des Menschen im KI-gestützten Prozess in den Mittelpunkt ihres Vortrags.

Orchestrierung vernetzter KI-Systeme

Julian Geiger, Chief AI Officer der Nemetschek Group, konkretisierte diesen Ansatz und hob hervor, dass fragmentierte Daten für jedes Unternehmen ein Problem sind. Die Lösung liege in der Orchestrierung vernetzter KI-Systeme, die Teams bei der Bewertung und Strukturierung komplexer Informationen unterstützen – vergleichbar mit der Rolle des Dirigenten in einem Orchester.

Innovation durch offene Plattformen

Die Veranstaltung bot zudem eine Bühne für die Innovationskraft des gesamten Ökosystems. Holger Kreienbrink (Director, Product Intelligence & Partnerships, Graphisoft) präsentierte die „Design Intelligence Strategy“ von Graphisoft, welche mittels „AI Assistant“ und einer cloud-nativen Plattform Entwurfs- und Modellierungsprozesse unterstützen soll. Willi Liffers (Product Consultant – Client Development, Allplan) demonstrierte die Verknüpfung von PDF-Plänen aus „Bluebeam“ mit 3D-Modellen in „ALLPLAN“, um die Versionierung und Freigaben transparent zu steuern. Martin Huber, CEO von Metaroom by Amrax, veranschaulichte den Prozess vom Scan zum detaillierten Bestandsplan. Dabei werden Bestandsaufnahmen in direkt nutzbare Planungsgrundlagen überführt, die u. a. für „Bluebeam“ verwendet werden können. Ergänzend dazu zeigte Gregor Schulte (Senior Head of Product Management, Portfolio & Platforms, Nevaris Bausoftware GmbH), wie die Integration von AVA-Software („NEVARIS“) und mobiler Baustellenerfassung („123erfasst“) Prozessbrüche im digitalen Workflow reduziert und eine konsistente Datenbasis für Kalkulation und Abrechnung schafft.

Transparenz als Wettbewerbsvorteil

Neben den KI-Innovationen wurde auf der Unbound 2026 auch deutlich, wie digitale Workflows bereits heute in der Praxis eingesetzt werden, um Prozesse effizienter und transparenter zu gestalten. So unterstrich Sebastian Corlik, Kalkulator bei der Kutter GmbH & Co. KG, in seinem Vortrag, wie eine umfangreiche digitale Vorbereitung im Angebotsprozess beim Auftraggeber Vertrauen schafft. Das Unternehmen nutzt „Bluebeam“, um in der Angebotsphase durch eine präzise Massenermittlung im Sinne des Kunden und eine ausgeklügelte Planung der Baustelleneinrichtung zu überzeugen. Digitale Werkzeuge dienen hier als Ergänzung zur langjährigen Erfahrung und schaffen die notwendige Transparenz in Kalkulationen – ein entscheidender Wettbewerbsvorteil bei der Anwendung des Bestbieterprinzips.

Integrierte Workflows und pragmatischer Softwareeinsatz

Nicolas Sterling gewährte wertvolle Einblicke in ein integriertes Büro, in dem Architektur und Tragwerksplanung als durchgängiges Systemgespann agieren. Dabei dienen u. a. Tools wie Rhino und Grasshopper als Grundlage in der parametrischen Konzeption und bei der Vorplanung, während „Bluebeam“ die zentrale Koordinationsebene bildet. „Die Planung erfolgt in BIM. Entscheidungen jedoch werden in ‚Bluebeam‘ getroffen“, sagt Nicolas Sterling über die Rolle der Software im Projektalltag.

Unter dem Leitmotiv „Keep it simple“ mahnte Andreas Rieger (CTO & Managing Director Art-Invest Real Estate Management) einen pragmatischen Umgang mit Bausoftware an: Viele Gebäude bleiben, trotz Vorfertigung und Modularität, auch in der Zukunft Unikate. Aufwendige BIM-Planungen sind dennoch nicht in jedem Projekt sinnvoll. Sparen neue Technologien jedoch nachweislich Kosten, erhöhen die Bauqualität und werden vom Kunden honoriert, sei ihr Einsatz gerechtfertigt.

Mobilität und Automatisierung im Fokus

Steve Smith (Director of Partnerships, Bluebeam) und Andrea Radlbeck (Senior Product Manager, Bluebeam GmbH) präsentierten strategische Neuerungen. Ein Schwerpunkt liegt auf der mobilen Nutzung des Portfolios, um zentrale Funktionen effizient auf Tablets und Smartphones bereitzustellen. Technologische Erweiterungen wie das Model Context Protocol (MCP) ermöglichen die Anbindung externer KI-Modelle an „Bluebeam“ und schaffen die Grundlage für die Automatisierung routinemäßiger und wiederkehrender Workflows. Durch vertiefte Integrationen mit Partnerlösungen wie „DocuSign“ und „Procore“ hat Bluebeam den Anspruch, medienbruchfreie Workflows über den gesamten Projektzyklus hinweg zu ermöglichen.

Die digitale Transformation mit Mut und Risikofreude

In der abschließenden Panel-Diskussion „PDF in der BIM-Welt: Brücke oder Bremse?“ wurde deutlich, dass das PDF in der Planung und auf der Baustelle trotz BIM und neuer Spatial-Computing-Ansätze weiterhin unverzichtbar ist. Seine Stärke liegt in der niederschwelligen Zugänglichkeit, die es zur universellen „Sprache“ zwischen allen Beteiligten macht: Während BIM die modellbasierte Grundlage bildet, fungiert das PDF als pragmatische Brücke zwischen Planung und Ausführung im Projektalltag.

Die Podiumsdiskussion zeigte: Die Stärke des PDF liegt in der niederschwelligen Zugänglichkeit, die es universell einsetzbar in Planung und Bauausführung macht.
Bild: Bluebeam

Die Podiumsdiskussion zeigte: Die Stärke des PDF liegt in der niederschwelligen Zugänglichkeit, die es universell einsetzbar in Planung und Bauausführung macht.
Bild: Bluebeam
Christoph Becker, Business Development Lead EMEA bei Bluebeam, kritisierte jedoch, dass die operative Lücke zwischen Authoring-Tools und Projektpraxis weiterhin akzeptiert wird: „Diese Lücke können wir mit planbasierter Kollaboration schließen, statt fragmentierte Workflows, E-Mail-Chaos und Excel-Listen weiter zu tolerieren.“ Einig waren sich die Experten darin, dass digitale Transformation nicht durch das Warten auf perfekte Software entsteht, sondern durch ein verändertes Mindset. Architektin Elke Sterling-Presser formulierte es so: „Man muss offen sein, Mut für neue Lösungen haben und Risikofreude zeigen, statt sich immer nur rechtlich absichern zu wollen.“

Auf dem Weg zum datenzentrierten Bauen

Künstliche Intelligenz spielt in der Bauwelt längst eine zentrale Rolle – nicht jedoch als Zukunftsvision, sondern als konkretes Werkzeug zur Automatisierung manueller Prozesse. Entscheidend ist mit ihrem Einsatz die Schnittstellen zwischen den Disziplinen zu verbessern, neue Ansätze zu erproben und festgefahrene Strukturen in den eigenen Arbeitsabläufen konsequent aufzubrechen.

Die Unbound 2026 verdeutlichte, dass sich die Branche von überwiegend digitalen hin zu intelligenten, datenbasierten Prozessen wandelt. „Zukunft Bauen” bedeutet heute, Möglichkeiten zu nutzen, Risiken zu managen und durch verlässliche, transparente Daten eine lebenswerte Zukunft zu gestalten.

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